11. Januar 2011

Üben Sie auch Übungen oder denken Sie schon selbst?

Die Welt ist voll von Trainern, Übungsleitern und Bewegungsexperten. Alle hochstudiert und bestausgebildet. Ausgestattet mit Lizenzen, die wiederum andere geschäftstüchtige Übungsleiter, Trainer und Bewegungsexperten erfunden haben. Bescheiden darf ich sagen, dass mir von denen sowieso keiner das Wasser reichen kann. Denn immerhin habe ich durch Senmotic red die einmalige Lizenz zum Töten. ;-)

Wenn man Menschen fragt, von wem die Funktionen des Körpers gesteuert werden, antworten die meisten: vom Nervensystem und/oder vom Gehirn. Und genau so ist es auch. Alle Funktionen des Körpers werden von innen gesteuert. Wieso sich viele Mitbürger dann Trainer, Übungsleiter und Bewegungsexperten suchen, um durch Kommandos von außen gesteuert zu werden, ist mir schleierhaft.

Vor allem wenn man bedenkt, dass hinter dem Nervensystem eine Entwicklung von Milliarden von Jahren liegt. Die Intelligenz einer einzigen Zelle übertrifft unsere "Intelligenz" um ein Vielfaches. Oder können Sie sich beispielsweise teilen und dabei vergnügt weiter leben? Dass eine einzige Zelle viel schlauer ist als die Summe aller Zellen in Gestalt eines Übungsleiters, kann man überall dort beobachten, wo Übungsleiter Übungen üben lassen.

Man muss sich im Klaren darüber sein, dass wir Menschen mal Allradler waren und uns Millionen Jahre auf allen Vieren fortbewegt haben. In grauen Vorzeiten, ganz weit vor den Affen, hatten wir auch mal ein dichtes Fell und haben uns in unserer Entwicklung zwischen der Größe einer Maus und eines Rehes bewegt. Obwohl sich unsere Anatomie/Physiologie dem "aufrecht sein" angepasst hat, ist die ursprüngliche Anatomie noch deutlich sicht- und fühlbar. So ähnelt der anatomische Aufbau der Gliedmaßen einander. Wir haben ein Schulter-/Hüftgelenk. Dazu jeweils ein Ellbogen-/Kniegelenk. Dann kommen die Fuß- und Handgelenke. Und keiner wird bestreiten, dass sich Hände und Füße in Form und Funktion sehr ähnlich sind.

Zum besseren Verständnis tun Sie jetzt bitte folgendes: Strecken Sie Ihren rechten Arm gerade nach vorn aus. Dann beugen Sie Ihr Handgelenk und berühren Sie bitte mit Ihren Fingerspitzen Ihre Nase. Halt, halt, halt... der Ellbogen bleibt gestreckt. ;-) Sie sagen, es ist so unmöglich mit den Fingern die Nasenspitze zu berühren? Tja, dann sind Sie einfach viel zu steif im Arm und müssen noch viel mehr Übungen üben. ;-) Wenn Sie mit ausgestrecktem Arm mit den Fingern Ihre Nasenspitze nicht erreichen, sollen Sie sich ganz natürlich bewegen und Ihren Ellbogen dafür benutzen. Denn zum Beugen und Strecken ist er da.

Umso verwunderlicher erscheint es, wieso Menschen den Sprung vom Arm zum Bein nicht schaffen. Unzählige Mitbürger wollen mit durchgedrückten Kniegelenken entgegen jeglicher Physiologie unbedingt mit den Fingerspitzen den Boden berühren. Übrigens ist der Mensch das einzige Tier weltweit, welches ein Körperteil steif hält um sich selbst zu beweisen, wie beweglich es ist. ;-)

Ein Nachvornbeugen mit gleichzeitigem Strecken im Knie führt zu einer Anspannung der ischio-cruralen Muskulatur. Das ist die Beugemuskulatur an der Rückseite Ihrer Beine, die so schön brennt, wenn man sich mit durchgedrückten Knien und Rundrücken nach vorn beugt. Eigentlich soll diese Muskulatur verhindern, dass Sie sich so einen Schwachfug antun. Denn Beuger sind zum beugen da und keinesfalls um schön lang gestreckt zu werden.

Deswegen wirkt diese Muskulatur einer Streckung entgegen und je mehr Sie sich Gewalt antun um den Boden zu berühren, umso mehr spannt die rückwärtige Beinmuskulatur an und bietet Ihnen heftigen Widerstand. Sie spüren wie es brennt und je heißer es wird, umso mehr denken viele Zeitgenossen: Boah, voll krasse Dehnung. In Wahrheit spricht die ischio-crurale Muskulatur zu Ihnen. Sie sagt nämlich: Was glaubst Du, warum Dir der liebe Gott Knie gegeben hat? Damit Du sie durchstreckst und Dich wunderst, dass Du Dich dann nicht bis zum Boden bücken kannst? Für was gibt es eigentlich die Hocke?

All die Menschen, die aus dieser „Übung“ schlussfolgern, sie wären im rückwärtigen Bereich der Beine verkürzt und müssten mit sinnentleerten Übungen ihre Beine dehnen, vermögen die feine Stimme ihrer ischio-cruralen Muskulatur nicht mehr zu vernehmen. Sie sind gewissermaßen taub für sich selbst. Dafür hören sie jedoch sehr gut auf die überlauten Stimmen selbsternannter „Koryphäen“ und „Kapazitäten“.

Es gibt außerdem eine Vielzahl von Erklärungen, warum man nicht mit den Fingerspitzen den Boden berühren kann. Beispielsweise können Faszien im Unterschenkel zu sehr unter Spannung stehen oder die Achillessehne ist zu kurz. Die Lumbalfaszie im unteren Rücken kann zu unbeweglich sein oder die faszialen Schichten der Erektoren stehen unter starker Spannung. Oder verbackene Zwischenrippenmuskeln verhindern, dass sich die Rippen beim Nachvornbeugen schön wie ein Akkordeon öffnen. Häufig finden wir zahlreiche verschiedene Kombinationen dieser Einschränkungen beim Menschen. Es allein auf die Beinbizeps zu schieben, verlangt nach einem medizinischen Simplizissimus.

Seien Sie bitte auch nicht neidisch auf Leute, die Ihnen solche Kunststückchen vorführen. Gerade jene sitzen mit Rücken-, Knie- und Fußproblemen häufiger im Wartezimmer eines Arztes als der durchschnittlich verkürzte Normalbürger. So ist das halt, wenn man keine Ahnung vom Gebrauch des Körpers hat.

Es gibt noch eine weitere beliebte Übung: Wenn wir mit durchgedrückten Knien auf dem Boden sitzen und uns nach vorn beugen, um mit den Fingerspitzen die Fußzehen zu berühren. Hier kommt erschwerend hinzu, dass sich das Becken bei diesem Unterfangen in entgegengesetzte Richtung bewegt. Es befindet sich in Rückwärtskippung. Gemeinsam mit der ischio-cruralen Muskulatur brüllt Ihnen das Becken zu: Benutze die Knie, benutze die Knie, benutze die Knie....

Auch bei Übungen, um seine Kraft zu demonstrieren setzt sich die Krone der Schöpfung gern die Krone der heiligen Einfalt auf. Liegestütze kennen doch sicher alle Leser? Wenn Sie bauchwärts auf dem Boden liegen und sich mit den Armen aufstützen um ein Buch zu lesen, ist Ihr Bauch konvex und Ihr Rücken konkav. Das ist physiologisch völlig richtig und so entsteht auf der Vorderseite eine ganz natürliche Dehnung. Weil nur so der Körper mit seinem Eigengewicht in seinen Faszienschlingen hängt. Je höher Sie sich aufstützen, umso mehr muss der Körper sich biegen und umso länger wird die Vorderseite.

Will man hingegen Liegestütze machen, muss man sich selbst versteifen und seine Bauchmuskeln wie ein Brett anspannen - so wird jegliche Funktion aus dem Körper verbannt. Manche können ihren Bauch nicht steif genug halten und sacken nach ein paar Liegestützen in sich zusammen. Was wird denen von Trainern und Fitnessexperten jeglicher Coleur empfohlen? Selbstverständlich die Bauchmuskeln zu stärken. Sinnbildlich sagt man ihnen: Junge, Du musst stärker werden, dann bist Du steifer. Und genau mit diesem Satz hat der hochstudierte und hochlizensierte Übungsleiter mit großer Wahrscheinlichkeit zum ersten Mal in seiner Laufbahn den Nagel auf den Kopf getroffen.

20 Kommentare:

  1. Interessante Sichtweise. ;-) Wie jedoch sollte man sonst Sport treiben oder neue Bewegungsabläufe lernen, wenn nicht durch Übungen bzw. indem man etwas übt?

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  2. Interessante Frage. ;-) Wie Sie schon schreiben:
    "neue Bewegungsabläufe lernen". Lernen und "Üben" sind für mich zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Man kann stundenlang "üben" und "trainieren" ohne dabei etwas gelernt zu haben. Aus meiner Sicht wäre das Zeitverschwendung.

    Was den Sport betrifft: Klar, wenn man Sport betreibt setzt sich automatisch eine Kette in Gang. Man übt und trainiert, man liebt Nahrungsergänzungsmittel und Doping und man hat die gleichen körperlichen Beschwerden wie alle Sportkollegen. Man sucht sich Idole, weil man selbst als wertlos einschätzt. So geben (geistig) arme Leute ihr letztes Geld, um im Stadion Millionäre anzufeuern. Oder man gibt noch mehr Geld aus und schaut zu, wie Millionäre mit bunt angestrichenen Autos im Kreis fahren. ;-)

    Lässt man Sport weg - macht man einen großen Sprung nach vorn. Denn all die obigen Dinge tut und hat man dann nicht mehr. Dafür kann man sich intensiv um sich selbst kümmern. Kann sehr befreiend wirken. ;-)

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  3. @ Frank Demann

    Ganz sooo einfach ist es wohl nicht. ;-)

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  4. Sie hätten es gern nur komplizierter. ;-)

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  5. Ihre kausale Kette ist mir zu einfach. ;-) Sport ist ein Teil unseres Lebens und nimmt einen großen Teil der gesellschaftlichen Aktivitäten ein. Mittlerweile erwirtschaften einige Sportverbände Milliardenumsätze. Deswegen scheint es mir etwas unrealistisch, Sport oder die Übungsmethoden (das haben wir wieder das böse Wort ;-)) an den Pranger zu stellen.

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  6. Setzen Sie in Ihrem Kommentar für "Sport" einfach "Fast Food" oder noch besser "Alkohol" ein. Unbestritten zerstören schon winzige Mengen davon Gehirnzellen und regelmäßig getrunken, macht er nicht nur ein kleines bisschen dümmelich sondern völlig meschugge. ;-) Von anderen körperlichen Schäden abgesehen. Da gebe ich Ihnen völlig Recht: Hier jetzt über Alkohol, Kaffee, Cola oder Sport und ihre zerstörerischen Wirkungen zu schreiben, ändert am Verhalten der sich dem klaren Denken verweigernden Masse herzlich wenig. Dem einen oder anderen klugen Leser regen meine Zeilen trotzdem zum Nachdenken an. ;-)

    PS: Wenn man wissen will, wie die Masse der Menschen tickt, dann einfach Gustave Le Bon lesen.
    Politiker scheinen dessen Buch "Psychologie der Massen" bestens zu kennen. ;-)

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  7. Ihnen scheint das Buch aber auch zu helfen ;) Oder irre ich mich?

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  8. Hab es vor 15 Jahren gelesen. Damals hat es mir geholfen.

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  9. Zitat: "Alle Funktionen des Körpers werden von innen gesteuert. Wieso sich viele Mitbürger dann Trainer, Übungsleiter und Bewegungsexperten suchen, um durch Kommandos von außen gesteuert zu werden, ist mir schleierhaft."

    Das würde auch bedeuten, dass man kein Senmotic Red braucht, in welchem der Leiter die Bewegungen vorzeigt und nachahmen lässt.

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  10. Sofern es so wäre wie von Ihnen vermutet, würde es sich tatsächlich von all den anderen Methoden nicht unterscheiden. Doch gerade das Unwinding sieht bei jedem anders (teilweise sogar völlig gegensätzlich) aus. Bei dieser Methode kann man sehr gut sehen, wie der Körper von innen gesteuert wird, wenn man ihn nur lässt.

    Übrigens müssen die Leute, die einfach nur nachahmen, uns wieder verlassen. In der Regel gründen sie dann ihren eigenen "internationalen Ein-Mann-Verband" und kopieren mich dann schamlos weiter. Oder sie suchen sich einen Vorturner, bei dem Selbst-Denken verpönt ist. Ich vermute mal, das alles wissen Sie auch sehr gut. ;-)

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  11. Ich denke ich werde das Buch demnächst auch mal lesen. Danke für den Tip.

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  12. @ DEmann

    Wie immer oberflächlich und plakativ.

    Ein Trainer kann durchaus zu sinnvollem üben anleiten und ein Feedback von außen kann helfen, Bewegungsvorstellungen und -abläufe zu optimieren.

    Wohin es führt, wenn man nicht mit dem "Außen" abgleicht, sieht man ja an Ihnen... ...völlige Fehleinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit.

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  13. Die Tiefe und die sprachliche Brillianz Ihrer Kommentare sind natürlich unerreichbar. Liegt sicher daran, dass ich mich in der Schule verschwendet habe, während Sie sich schon nach der dritten Klasse eine eigene Existenz aufgebaut haben. ;-)

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  14. @ Für die fünf Anonymlinge

    Ihre "Kommentare" werden nicht veröffentlicht. Sie bleiben leider weit hinter einem gewissen Mindestniveau zurück. Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte:

    http://www.pressetext.at/news/061122020/psychisch-kranke-fluechten-ins-internet/

    verstehe ich Ihre Motivation besser und spreche Ihnen hiermit mein Bedauern aus. Ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft viele erfolgreiche Identitäten und Abschüsse.

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  15. Schade, das reduziert den Unterhaltungswert nicht unerheblich ..

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  16. Glauben Sie mir, da mir mindestens drei der Anonymen persönlich bekannt waren, tendiert der Wert der Unterhaltung gegen Null. ;-)

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  17. Sie müssen allerdings zugeben, dass Sie schon gleich mal alle Trainer und Übungsleiter abbügeln.

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  18. Das zeichnet mich aus... quer auf den Punkt gedacht. ;-) Wenn einer ein paar Jahre Sport studiert und dann wie alle anderen auch mit Rückenschmerzen, Kniebeschwerden und Schulterschmerzen beim Doc sitzt und nicht quicklebendig bis in das hohe Alter durch die Welt springt, dann frage ich mich schon für was das Studium und all die Qualifikationen nütze waren. Mit großer Wahrscheinlichkeit stelle ich diese Frage jedoch als Einziger. ;-)

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  19. ...naja nicht ganz als Einziger :-)

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  20. Deswegen "mit großer Wahrscheinlichkeit". ;-)

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